www.mutual-mente.com                  joachimhornung@gmx.de                    13.02.2005 18:42

Thema G:       Gen-Manipulation von Nahrungsmitteln

Inhalt:   Zusammenfassung

                Schlüsselwörter

                Bezug

                Kritischer Kommentar

                Quellenhinweise

Zusammenfassung:   Das Thema „Gen-Manipulation von Nahrungsmitteln“ wird sehr kritisch besprochen.

Schlüsselwörter: Gentech, Gentechnik, Gen-Manipulation, Nahrungsmittel, Gen-Food, Kritik, Gefahr.

Bezug:  Im Forum  www.1000Fragen.de  wurde das Thema „Leben ausser Kontrolle“ diskutiert aufgrund des Dokumentarfilms von Bertram Veerhag und Gabriele Kröber:  „Leben ausser Kontrolle – Von Gen-Food und Designer-Babies“, Sendetermin: 14.07.2004, 21:00 auf ARD Digital:

http://www.1000fragen.de/index.php?mo=8&pt=3&pi=2688&node=2830.

Es folgen einige (etwas redigierte) Bemerkungen von J. H. in jenem Forum.

Kritischer Kommentar.        Die Gen-Manipulation an Pflanzen, Tieren und Menschen ist eine der grössten Bedrohungen für das Leben auf diesem Planeten unter all den vielen Bedrohungen, denen wir heute ausgesetzt sind.  Einmal in die Umwelt eingebrachte veränderte Gene können nicht mehr zurückgeholt werden. Was das in der Nahrungskette und letztlich für uns Menschen für Folgen hat, ist laut Film völlig unbekannt, aber höchst riskant. Jede Art von Verharmlosung auf diesem Gebiet ist völlig unangebracht.

Die Menschen in unserem Lande haben das richtige Gespür für die Gefahr und lehnen mehrheitlich genmanipulierte Nahrungsmittel ab. Aber die Gen-Industrie drängt mit grosser Macht in die Landwirtschaft, und als Folge davon kommen immer mehr genmanipulierte Nahrungsmittel auf den Markt. Die Politiker erweisen sich als unfähig, die Gen-Industrie zu stoppen.

Die Tricks der Gen-Industrie sind wirkungsvoll. Zum Beispiel hat man die Politiker der Europäischen Gemeinschaft zur Zustimmung zum Anbau gen-manipulierter Nahrungspflanzen (Raps, Mais, …) überreden können, indem man ihnen den Köder der Kennzeichnungspflicht hingeworfen hat. Gen-manipulierte Nahrungsmittel, die in den Supermärkten angeboten werden, könnten ja gekennzeichnet werden, so dass letztlich Bürgerinnen und Bürger selbst entscheiden können, ob sie solche Nahrung essen wollen oder nicht. Dies ist aus folgenden Gründen eine Falle, in die die Politiker in Brüssel und in Deutschland voll hineingetappt sind:

1. Damit werden also gen-manipulierte Pflanzen angebaut, und durch den Wind werden Samen auch auf andere Felder übertragen. Das ist das Aus für die Gentechnik-freie Landwirtschaft und speziell für die biologische Landwirtschaft.

2. Die Kennzeichnung ist unvollständig und irreführend, und man kann davon ausgehen, dass viele Menschen nicht immer sorgfältig darauf achten, selbst wenn sie diese Lebensmittel eigentlich nicht wollen.

3. Man kann davon ausgehen, dass das Bewusstsein für die Gefahr zunächst einmal abnimmt, und dass das Thema zunächst einmal aus den Schlagzeilen verschwindet. Man gewöhnt sich an die Dinge, so wie sie sind. Erst wenn massive Gesundheitsschäden offensichtlich werden, wird das Thema wieder in die Medien kommen und entsprechende Reaktionen auslösen, aber dann ist es zu spät.

4. Die zu erwartenden Gesundheitsschäden treten erst nach einiger Zeit so deutlich auf, dass sie unübersehbar werden. Die Zuordnung gesundheitlicher Schäden zu der Ursache gen-manipulierter Nahrungsmittel ist schwierig, und die Industrie wird über viele Jahre in Gerichts­prozessen den ursächlichen Zusammenhang abstreiten.

5. Durch irreführende Propaganda und massive Förderung wird der Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen eine weithin verbreitete Tatsache werden, die nicht mehr zurückgenommen werden kann.

Die Gen-Manipulation an (Nahrungs-)Pflanzen und (Nahrungs-)Tieren ist ein Grossversuch weltweit an allem, was lebt, mit vermutlich tödlichem Ausgang.

Wenn z. B. Mais, Raps, Lachse gen-manipuliert werden, so sind die Konsequenzen für diese Lebewesen selbst und für alle folgenden in der Nahrungskette weitgehend unerforscht. Wir haben jedoch ein Beispiel vor Augen, welches uns zeigt, was für Konsequenzen es hat, wenn man immer neue Errungenschaften der modernen Wissenschaft in die Welt setzt.

Dieses Beispiel sind die chemischen Arzneimittel, die ständig neu entwickelt und in Umlauf gebracht werden. Es handelt sich dabei um chemische Substanzen, die in der Natur nicht vorkommen, aber angeblich für die Gesundheit des Menschen nützlich sind.

Die Folge davon war und ist eine nicht endende Kette von Arzneimittel-Katastrophen, angefangen bei der Contergan- (Thalidomid-) Katastrophe, Ende der 50er Jahre, bis hin zu Lipobay (2003) und Vioxx (2004).  Die vielen Arzneimittel-Katastrophen hatten Tausende von Toten als Opfer und noch viel mehr schwergeschädigte Patienten.

Es gibt jedoch 2 wesentliche Unterschiede zwischen Arzneimitteln und Gen-Manipulation:

1. Arzneimittel werden vor ihrer Zulassung nach den bestehenden Gesetzen und strengen Richtlinien an Tieren und Menschen ausführlich geprüft und erst nach bestandener Prüfung für den Markt freigegeben. Die Arzneimittelkatastrophen ereignen sich trotzdem!! Hingegen:  Die Folgen der Genmanipulation müssen nicht im vorhinein abgeschätzt werden! Sie sind weitgehend unerforscht, und 95 % aller Forscher auf diesem Gebiet arbeiten im Auftrage der Gen-Industrie.

2. Arzneimittel, die sich im Grossversuch, nämlich nach Freigabe für die Allgemeinheit, als schädlich erweisen, können vom Markt genommen werden. Der angerichtete Schaden kann (so schlimm er oft ist) somit begrenzt werden. (Er ist allerdings unbegrenzt, da immer weitere Neu-Erfindungen gemacht werden und in die entstandenen Lücken springen. Man lernt aus den bitteren Erfahrungen eben nichts.)

Die einmal in die Umwelt gesetzten manipulierten Gene können jedoch nicht zurückgeholt werden. Sie verbreiten sich, im Beispiel: unter allem Mais, unter allem Raps und unter allen Lachsen, dann aber auch unter allen folgenden Tieren und Menschen in der Nahrungskette. Eine Rückhol-Aktion ist nicht möglich, d. h., die gesamte Natur wird auf immer und unwiderruflich drastisch verändert und  womöglich – wahrscheinlich – sicherlich  schwerst geschädigt. Wer kann, wer will  das  verantworten ??   Werden wir  das  überleben ??

In der Fernseh-Dokumentation wurde sehr klar gesagt, dass höchstens 5% der Gen-Forscher, wahrscheinlich weniger, Industrie-unabhängig sind.

Es ist ja heute so, dass die Professoren an den Universitäten gezwungen sind, wenn sie überhaupt teure Forschung machen wollen, sogenannte Drittmittel einzuwerben. Wer heute an der Universität viele Drittmittelprojekte hat, der gilt etwas, sonst gilt er nichts. Das ist aber, auch im Hinblick auf andere ethisch bedenkliche Forschungsfelder, eine schlimme Entwicklung, denn die Wissenschaftler an den staatlichen Forschungseinrichtungen sind dann eben nicht mehr unabhängig, sondern abhängig von der Gross-Industrie.

Die Unabhängigkeit der Forschung wäre nur dadurch zu gewährleisten, dass die Forschung an den Universitäten vom Staat so grosszügig gefördert würde, dass diese nicht auf das Geld aus der Industrie angewiesen wären. Da der Staat aber kein Geld mehr hat, wird die Forschung, wie so vieles andere, eben privatisiert. Der äussere Rahmen bleibt zwar der alte: Universitäten und andere staatliche Forschungsinstitute mitklangvollen Namen bleiben bestehern, werden aber zu Handlangern von Interessengruppen.

Das ist eine Entwicklung, die für alle bio-ethischen Themen von grösster Tragweite, aber im Zuge der Zeit offenbar nicht aufzuhalten ist.

Es wurde behauptet, dass ein Grossteil der Gen-Forschung staatlich gefördert wird. In der Fernseh-Dokumentation "Leben ausser Kontrolle" wird jedoch berichtet, dass höchstens 5% der Gen-Forschung im Zusammenhang mit der Gen-Manipulation von Nahrungsmitteln von Industrie-unabhängigen Forschern betrieben wird. Dieser Unterschied ist vielleicht so zu erklären, dass die staatlich geförderte Forschung vor allem Grundlagen­forschung ist. Und das Feld der Gen-Forschung ist ja ein sehr weites. Was aber in der Fernsehdokumentation angesprochen wurde, war die Forschung zur Folgen-Abschätzung, wenn Nahrungs-Pflanzen und Nahrungs-Tiere gen-manipuliert werden. Auf diesem Gebiet gibt es nur äussert wenig Forschung überhaupt, und diese sehr wenige scheint tatsächlich von Industrie-unabhängigen Forschern zu stammen.

Bevor man aber gen-manipulierte Tiere und Pflanzen in die Umwelt freisetzt, müsste eine verantwortungsbewusste, umfangreiche und langfristige Folgen-Forschung abgeschlossen sein. Darauf wird von der Gen-Industrie grosszügig verzichtet. Um die Notwendigkeit einer solchen Forschung zu erkennen, braucht man kein Gen-Forscher zu sein, sondern sie leuchtet unmittelbar jedem ein, auch den Nicht-Fachleuten. In der Medizin sind solche vorangehenden Untersuchungen vor der Freigabe von neuen Arzneimitteln gesetzlich vorgeschrieben; im Bereich des Gen-Food ist davon keine Rede, obwohl eine Freisetzung Gen-manipulierter Lebewesen auf längere Sicht noch viel gefährlicher ist und überdies unumkehrbar, d. h., nie wieder gutzumachen. Die hierin liegende Gefahr sollte auf gar keinen Fall verharmlost werden, da die möglichen Schäden überhaupt nicht absehbar sind.

So ist es sehr verdienstvoll, dass das Thema noch einmal von einer öffentlich rechtlichen Fernseh-Anstalt aufgegriffen wurde, und zwar in der Sendung  „Praxis – das Gesundheits­magazin“  des ZDF am 25. 8. 2004 um 22.15.   Es ist immer wieder im positiven Sinne erstaunlich, wie mutig, offenbar Industrie-unabhängig, solche wichtigen Themen von den Öffentlich-Rechtlichen angegangen werden. Obwohl in der Sendung nur wenig Zeit für dieses Thema reserviert war, war die ganze Problematik wieder so offensichtlich!

Quellenhinweise.          

1.     Suche etwa im Internet {Genmanipulation+Mais+Lachs}. Sehr informativ ist z. B. die Site http://info.greenpeace.ch/de/gentech/lebensmittel/index von Greenpeace/Schweiz mit etlichen Unterseiten. Aber auch viele andere Sites geben wertvolle Informationen.

2.     http://www.1000fragen.de/index.php?mo=8&pt=3&pi=2688&node=2830.

3.     Ein weitergehendes Literaturverzeichnis ist in Vorbereitung.


Ende des Beitrags zum Thema G:  „Gen-Manipulation von Nahrungsmitteln“ –

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