www.mutual-mente.com                   joachimhornung@gmx.de               04.04.2005

Gedicht                                                                                           Joachim Hornung

                     LEBENSWEG

 

Wie lebst Du hier, o Mensch, ohn’ Wissen von der geist’gen Welt!

Vergangenheit und Zukunft sind Dir unbekannt.

Woher Du kommst, was Du einst tatest, weisst du nicht:

Die Schatten des Vergessens haben’s zugedeckt.

So bist Du blind für alle höh’ren Ziele.

Der Engel Hilfe und Dämonen Kraft:

Du spürst sie nicht.

 

Was für ein Leben ohne allen Sinn!

So wie ein Segler lebst Du, der den Wind nicht kennt,

der Sterne Zeichen nicht zu deuten weiss,

den Hafen, den er anstrebt, nicht benennen kann.

Das Ziel der Reise sucht er nicht,

die Wellen treiben mit ihm leichtes Spiel.

Doch merkt er nicht, dass er sich treiben lässt,

vermeint, durch Ruderzüge selbst zu lenken,

der höh’ren Mächte Weisung nicht gewahr,

die Hilfe, die ihn stets begleitet, wähnt er nicht.

 

Erreicht er schliesslich festes Land,

so nimmt er dies als selbstverständlich an.

Nicht Dankbarkeit erfüllt sein stolzes Herz:

Er selbst hat dieses gute Land gefunden,

nun ist es Sein, ihm untertan und eigen.

Mit viel Gewerke wird ein Haus errichtet,

das Land bestellt und Erz geschmolzen,

und tausend Dinge werden hergestellt,

die man so glaubt zu brauchen für das täglich’ Leben.

 

Die Zeit vergeht, die Kinder werden gross,

der Hof ist aufgebaut, doch fehlt das hohe Ziel.

Und fragst Du Deinen Freund, den guten Kerl,

so merkst Du bald, dass er es auch nicht weiss.

 

Das Alter wird Dir dann bewusst,

doch kennst Du nicht der Zeiten Mass.

Du fragst Dich, ob Du recht gelebt,

die vielen Fehler, die Dir unterlaufen,

der Schaden, den Du andern zugefügt,

Gelegenheiten, die Du arg versäumt,

das grosse Glück, das Du nie kennenlerntest.

Mit Sorge siehst Du es: Die Zeit verrinnt.

Ein Schemen schaut von fern auf Dich herab,

mit Bangen merkst Du, wie die Krankheit kommt,

des Lebens Kräfte schwinden schon dahin.

Dies’ Leben ist gelebt, ob gut, ob schlecht:

Jetzt heisst es Abschied nehmen!

 

Mit grosser Furcht verlässt Du dieses Land,

um in ein wunderbares andres einzutreten,

das nie erahntest Du in seiner Pracht,

wo liebevolle Wesen Dich erwarten,

der Meister selbst von Angesicht.

Sie bald Dich lehren aller Welten Weisheit,

sowohl, als auch die eigene Lektion,

Dir ganz zum Nutzen und Erkenntnis, Dich zu leiten

auf all’ den Zyklen Deines Weges.

Wenn Dir bestimmt durch Schicksal und Verdienst,

wirst bald begegnen auch den zorn’gen Göttern,

die Dich in Angst und Panik tief versetzen.

Schier ausweglos erscheint das dunkle Tal,

endlos die Zeit und hart der Götter Strafe.

Bis Du erkennst, dass alles nur Phantasma,

Dein eignen Geistes schwarze Creation.

Wenn diese Schau den Dämon lässt verschwinden,

befreist Dich selbst von allertiefster Pein,

erneut ins Licht kannst treten voller Liebe,

in Harmonie und Tanz mit deinesgleichen.

Durch wahres Wissen erst gelangen wir zum Licht!

 

Der Schatten, den Du wirfst, verschwindet,

der Spiegel spiegelt nicht Dein Angesicht,

Dein Körper, ohne allen Schmerz und Makel,

löst sich in hellem, farb’gem Scheine auf.

Was Du erlebt, was Du gewesen,

ob Mensch, ob Tier, ob Pflanze gar, ob Mineral,

Du bist es jetzt und stets in aller Welt.

 

Doch dann ertönt der Ruf zur Neugeburt,

in ird’sche Fesseln und in ird’sches Glück.

Als Kind erinnerst noch das vor’ge Leben,

hast Sehnsucht nach gewohntem Heim,

nach Vater, Mutter und Geschwistern.

Doch diese neue Welt will Dich jetzt ganz,

und nach und nach vergisst Du jenen Traum.

 

Nun bist Du wieder hier mit all den andern,

mit neuen alten Bürden Dich zu plagen.

Ob Du jetzt klüger bist, das kann ich dir nicht sagen,

ob Du das Rad erkennst, das wird sich zeigen. –

 

Achte dieses Wenige zumindest,

wenn Du den Kranz des neuen Lebens bindest. –

Möge dieses Wissen Dich begleiten,

mögen Sterne Dich auf Deinem Wege leiten:

Wandere beschützt durch alle Zeiten,

bis Du dereinst Dich selber wiederfindest. –

 

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