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A3.    Spirituelle  Besetzungen

Synonyme:      Besetzung, Besetzungen,   englisch: spirit possession, spirit attachment;

                        Nicht synonym ist:    Besessenheit,   englisch: obsession.

Suchwörter:     Besetzung, Besetzungen, spirit possession, spirit attachment, Besessenheit,   Reinkarnation, Allan Kardec, Kardecisten, Kardecismus, William Baldwin, Edith Fiore, Carl Wickland.

Literaturangaben finden Sie am Ende des Textes.

Über spirituelle Besetzungen ist heutzutage in der Allgemeinheit wenig bekannt. Es muss hier jedoch einiges zu den Besetzungen gesagt werden, da sie für die Reinkarnationsforschung und auch für die Kritik der Organtransplantation eine wichtige Rolle spielen.  Ausserdem mag es sein, dass viel mehr Menschern unter leichteren oder schwereren Formen von Besetzungen leiden, als wir auch nur ahnen.

Es wurde und wird hier mit Absicht das Wort „Besetzungen“ verwendet, um einen Gegensatz zu dem alten Begriff der Besessenheit zu betonen. In der katholischen Kirche glaubt man nämlich nicht selten Menschen von Dämonen oder vom Teufel besessen:  Dämon oder Teufel müssen dann ausgetrieben werden.  Die Kirche beauftragte mit dieser Aufgabe die Exorzisten, und der Exorzismus hat eine lange Geschichte.

Im Jahre 1976 verstarb die 23-jährige Anneliese Michel in Klingenberg am Main nach Dutzenden von Exorzismen, die sich über neun Monate hinzogen. Sie litt unter sehr schweren Psychosen und verstarb schliesslich durch Verhungern. Die Eltern, ein katholischer Pfarrer und ein Pater wurden wegen unterlassener Hilfeleistung zu je drei Jahren Gefängnis auf Bewährung verurteilt.  Einzelheiten siehe unter

http://www.taz.de/pt/2003/05/31/a0360.nf/text.

Der Exorzismus wird noch heute in der katholischen Kirche nach den vom Vatikan verfassten Grundsätzen praktiziert. – –

In der Psychologie und in der Psychiatrie ist die Kenntnis von der Besessenheit im traditionellen Sinne völlig abhanden gekommen, da es für einen aufgeklärten Menschen Teufel und Dämonen nicht gibt. In der modernen Medizin kennt man den Begriff der Besessenheit nur noch in der Bedeutung von Wahnvorstellungen, Zwangshandlungen und schwere Süchten. –

Es gibt jedoch heute bei einigen Autoren ein neues Verständnis von Besetzungen, englisch  „spirit possession“  oder  „spirit attachment“.  Hier sind Carl Wickland [1924!], Edith Fiore [1984] und neuerdings William Baldwin [1995, 1999, 2003] vorzüglich zu nennen.  Vor allem aber sind es die Kardecisten in Brasilien, die schon seit langem und mit viel Erfahrung Diagnostik und Therapie von Besetzungen betreiben; zu letzteren siehe Korte [2000] und [2003].  Nach den Erkenntnissen der genannten Autoren und der Kardecisten kann ein Mensch von dem Geist (der Seele) einer verstorbenen Person besetzt sein.  Vor allem die Seelen von Menschen, die eines gewaltsamen Todes starben, wissen oft nicht, dass sie gestorben sind, und können den im Kapitel über Nahtodes-Erlebnisse angedeuteten Weg in die jenseitige geistige Welt nicht antreten.  Sie verbleiben vielmehr in der irdischen Sphäre und können dort zu Spukgeistern werden oder aber zu Besetzern von anderen, noch lebenden Menschen.  Die Motive für die Besetzung können sein:  Grosse Anhänglichkeit, der Glaube, dem betreffenden Menschen helfen zu müssen, ebenso Neid oder Rache, oft aber auch ganz egoistisch:  Suchtbefriedigung.  So kann z.B. ein ehemaliger Alkoholiker seiner immer noch bestehenden Sucht dadurch frönen, dass er einen Trinker besetzt, oder aber dadurch, dass er eine Person erst zum Trinken verleitet.

Zuneigung oder Rachegelüste z. B. können aus früheren Leben stammen, als beide Personen, Besetzer und Besetzter, bereits schon einmal zusammen lebten und entweder freundschaftlich oder feindschaftlich miteinander verbunden waren. Die Verbindung der beiden kann sich über mehrere Leben hinziehen.

Diese Art von Besetzungen kann natürlich vom Establishment nicht akzeptiert werden, da nach materialistischer Auffassung die Existenz des Menschen mit dem physischen Tode vollständig zu Ende geht, die Seele also nicht unabhängig vom Körper weiterhin existieren kann. –  Der grosse Unterschied zwischen dem früher üblichen Exorzismus im Falle von Besessenheit und der Therapie von Besetzungen im heutigen Sinne, auch bei den Brasilianern, besteht darin, dass man nicht nur versucht, den Besetzten von dem Plagegeist zu befreien, sondern auch den Besetzer, die unerlöste Seele, von seiner Situation in Kenntnis zu setzen und ihn ins Licht zu führen.  Hier empfiehlt sich wieder ein Gedanke an die Nahtodes-Erlebnisse, vergleiche Thema A2 auf dieser Website.   Der Besetzer weiss, wie gesagt, oft gar nicht, dass er tot ist und weigert sich auch, sich von seinen verstorbenen Angehörigen und Freunden in die andere Welt geleiten zu lassen und ins Licht zu gehen.  Es ist die hohe Kunst der darauf spezialisierten Therapeuten, ihm klarzumachen, in welcher Lage er sich befindet, und dass es für ihn besser ist, den normalen Weg ins Zwischenreich nun endlich anzutreten und sich dabei von seinen verstorbenen Angehörigen und Freunden helfen zu lassen.

Die Brasilianer arbeiten zu zweit:  Ein Therapeut ist ein Medium, welches den besetzenden Geist in sich hineinfahren und durch sich sprechen lässt.  Das ist an einer sehr deutlichen Veränderung von Mimik, Gestik und Stimme und einer Veränderung der Sprache des Mediums zu bemerken.  Der andere Therapeut ist der Moderator, der dann mit dem Geist spricht und zunächst herauszufinden trachtet, wer jener ist und aus welchen Motiven heraus er den Klienten besetzt. Sodann erklärt der Moderator dem Besetzer seine Situation und hilft ihm zu erkennen, dass er tot ist. Er versucht, ihn zu überzeugen, dass es für ihn selbst und auch für die geplagte besetzte Person besser ist, wenn er diese verlässt und die normalen Reise durch das Zwischenreich antritt. – Der Klient muss übrigens bei dieser Prozedur nicht unbedingt anwesend sein.

Es versteht sich von selbst, dass die Therapeuten eine sehr gute Ausbildung, mediale Begabung und einen hohen ethischen Standard haben müssen. Ebenso ist klar, dass sie sich vor, während und nach der Arbeit spirituell schützen müssen. Das Medium muss absolut professionell sein (im besten Sinne), denn es muss ja am Ende der Sitzung den Besetzer wieder loswerden und darf selbst keine Schäden zurückbehalten. Wir kommen hier in Bereiche hinein, die der herrschenden Wissenschaft völlig unzugänglich sind, nichtsdestoweniger scheinen sie nach genauem Studium der Materie real und gegenwärtig zu sein. Wenn dem so ist, – und je mehr ich mich mit der Literatur beschäftige und mit erfahrenen Besetzungstherapeuten spreche, desto glaubwürdiger wird für mich die ganze Sache, – dann tun sich hier für viele menschliche Probleme gänzlich neue Möglichkeiten des Verständnisses und der Behandlung auf.

Ich möchte hier noch anmerken, dass die Kardecisten in Brasilien, die sehr viel Erfahrung mit der Therapie von Besetzungen haben, streng zwischen Besetzungen und Reinkarnation unterscheiden, siehe Korte [2000].  Wenn bei der therapeutischen Arbeit der Brasilianer ein abgespaltener Anteil des Klienten aus einem früheren Leben in das Medium eintritt, so fühlt sich das für das Medium ganz anders an und es muss auch anders gearbeitet werden, als wenn es ein Besetzer ist. Besetzer versucht man zu befreien und ins Licht zu führen, also vom Klienten zu trennen, während Traumata aus früheren Leben bewusst gemacht und geheilt werden müssen. Es geht bei letzteren darum, Persönlichkeitsanteile aus früheren Leben in die jetzige Persönlichkeit zu integrieren, so Korte. In der therapeutischen Arbeit dürfen diese beiden Vorgehensweisen auf keinen Fall verwechselt werden. Korte schreibt wörtlich: „Da man vor einer so genannten Inkorporation (Übertragung des Geist­wesens bzw. abgespaltenen Persönlichkeitsanteils auf ein Medium) nicht immer genau wissen kann, womit man es zu tun bekommt, muss der/die Heiler/in sicher zwischen einer Besetzung und einem abgespaltenen Persönlichkeitsanteil unterscheiden können, damit dieser zur Person gehörige Anteil nicht versehentlich abgetrennt oder gar ein Besetzer irrtümlich "integriert", anstatt ins Licht geführt wird.“

Jedenfalls sind Besetzungen und Reinkarnation für die Kardecisten zwei ganz wesentlich verschiedene Dinge! –

Es hat mich sehr beeindruckt zu erfahren, dass die Therapeuten der Kardecisten in Brasilien für ihre Arbeit kein Geld verlangen, dass ihre Motive andere sind als die des Geldverdienens. –

Wie eingangs erwähnt, spielt das Thema Besetzungen für die Reinkarnationsforschung eine wichtige Rolle. Dies wird im Kapitel A1 auf dieser Website näher ausgeführt. Hierzu siehe auch Stevenson [1974] und [2001].  Ebenso ergeben sich für die Problematik der Organtransplantation aus der Kenntnis der Besetzungen neue gravierende Aspekte, wie ich in den Kapiteln T1 und A6 auf dieser Website bespreche. Es wird dort die horrende Möglichkeit erwogen, dass der Organspender zum Besetzer des Empfängers seiner Organe wird. – – –

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Literaturangaben

•    Drei zur Einführung besonders geeignete Bücher sind fett markiert.

Baldwin, William J.: Spirit Releasement Therapy – A Technique Manual (2nd Edition) Headline Books [1993] 2002

Baldwin, William J.: CE-VI: Close Encounters of the Possession Kind. Headline Books 1999

Baldwin, William J.: Healing Lost Souls – Releasing Unwanted Spirits From Your Energy Body. Hampton Roads 2003

Chaplin, Annabel: The Bright Light of Death.  DeVorss [1977] 1988

Fiore, Edith: Besessenheit und Heilung. Silberschnur 1999.  „The Unquiet Dead – A Psychologist Treats Spirit Possession”.  Ballantine 1995

Goodman, Felicitas: Ekstase, Besessenheit, Dämonen. Gütersloher Verlagshaus 1997.  „How about Demons?“  Indiana University Press 1988

Kardec, Allan: Das Buch der Geister. Hermann Bauer, Freiburg  [1857!] 1991. Jetzt im Bergkristall-Verlag.

Kardec, Allan: Das Buch der Medien. Hermann Bauer, Freiburg  [1861!] 2000. Jetzt im Bergkristall-Verlag.

Korte, Ilse: Therapien mit Verstorbenen – Die Geistheilung der Spiritisten in São Paulo. Zeitschrift esotera Heft 7, Seiten 633-638 und Heft 8, Seiten 747-752, 1984

Korte, Ilse: Brasilianische Geistheilungsmethoden. Deutsche Zeitschrift „connection“, dort „special“-Ausgabe Juni/Juli 2000, Seiten 56-59

Korte, Ilse: Hellingers Geisterstunde – Die unheimlichen Verbindungen von Familienstellen, Schamanismus und Exorzismus. Deutsche Zeitschrift „connection“ Heft 4, S. 40-42, 2001

Korte, Ilse: Schamanische Geistheilungsmethoden brasilianischer Christen. Transpersonale Perspektiven Vol. 8,  2003

[Michel, Anneliese]: "Unreiner Geist, weiche!" http://www.taz.de/pt/2003/05/31/a0360.nf/text

Naegeli, Hans: Besessenheit und Exorzismus. Otto Reichl, Remagen  1983

Powers, Rhea: Heimkehren ins Licht. Ch. Falk 1998.  „Into the Light“, © by Rhea Powers.

Sjorslev, Inger: Glaube und Besessenheit – Ein Bericht über die Candomblé-Religion in Brasilien. Merlin-Verlag, 1998

Stevenson, Ian [1974]: Reinkarnation – Der Mensch im Wandel von Tod und Wiedergeburt – 20 überzeugende und wissenschaftlich bewiesene Fälle. Aurum 1994; “Twenty Cases Suggestive of Reincarnation”, University Press of Virginia, 2nd Edition [1974] 1995

Wickland, Carl: Dreissig Jahre unter den Toten, Reichl 1994. „Thirty Years Among the Dead”. National Psychological Institute, Los Angeles, California 1924;  Newcastle 1974.

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